Stell dir vor, du willst eine neue Wand im Wohnzimmer bauen - aber keine nasse Baustelle, kein Zement, keine Tage Wartezeit. Stattdessen: eine Wand, die du in einem Tag aufbaust, glatt verputzt und gleich streichen kannst. Das ist der Vorteil von Gipskartonplatten. Sie sind heute der Standard im Innenausbau - und das nicht ohne Grund.
Was sind Gipskartonplatten wirklich?
Gipskartonplatten, kurz GKB, bestehen aus einem einfachen Aufbau: ein Kern aus Gips, umgeben von zwei Schichten Karton. Klingt simpel - aber das macht sie perfekt für den modernen Bau. Sie sind leicht, schnell zu verarbeiten und liefern eine glatte Oberfläche, die sich ideal für Farbe, Tapete oder Fliesen eignet. Die erste industrielle Produktion begann 1917 in den USA, in Deutschland kam sie 1931 durch Rigips auf den Markt. Heute wird mehr als 85 % aller nicht-tragenden Innenwände damit gebaut - das ist keine Ausnahme, das ist Normalität.
Die Standardgröße ist 1250 mm breit und 2500 mm oder 3000 mm lang. Die Dicke variiert zwischen 9,5 mm und 18 mm. Die meistgenutzte Variante ist die 12,5-mm-Platte - sie wiegt nur knapp 9,5 kg pro Quadratmeter. Das ist weniger als ein Viertel des Gewichts einer massiven Ziegelwand. Kein Wunder, dass sie in Altbauten so beliebt sind: Du veränderst nicht die Statik, du baust einfach dazu.
Welche Typen gibt es und wo werden sie eingesetzt?
Nicht alle Gipskartonplatten sind gleich. Es gibt drei Haupttypen, die du kennen musst, sonst machst du einen teuren Fehler.
- Standard-GKB (weiß): Für trockene Räume wie Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Büro. Die günstigste Variante, aber nicht für Feuchtigkeit geeignet.
- GKBI (grün): Feuchtigkeitsbeständig. Ideal für Badezimmer, Küche oder Waschküche. Die grüne Farbe ist kein Dekor - sie zeigt dir an, dass diese Platte mit einem speziellen Karton ummantelt ist, der Schimmel und Feuchtigkeit besser widersteht.
- GKF (grau): Feuerhemmend. Wird in Treppenhäusern, Fluren oder an Wänden zwischen Wohnraum und Garage verwendet. Diese Platten enthalten Glasfasern, die die Feuerwiderstandsdauer verlängern - wichtig für den Brandschutz nach der Bauordnung.
Wenn du eine Wand im Badezimmer baust und Standard-GKB nimmst, wirst du in ein paar Monaten Schimmel an den Fugen sehen. Das ist kein Mangel der Platte - das ist ein Mangel der Planung.
Wie baut man eine Trockenbauwand?
Der Aufbau einer Wand ist kein Zufall - es folgt einer klaren Reihenfolge. Wer das nicht beachtet, bekommt Risse, schlechten Schallschutz oder eine wackelige Wand.
- Aufmaß nehmen: Miss genau, wie hoch und breit die Wand werden soll. Vergiss nicht: Du brauchst 3-5 mm Abstand zur Decke und 3 mm zum Boden. Das ist die Dehnungsfuge - sie verhindert, dass die Platte bei Temperaturschwankungen bricht.
- UW-Profile montieren: Diese U-förmigen Profile werden am Boden und an der Decke befestigt. Dafür verwendest du Klappdübel oder Bohrmeißel. Wichtig: Klebe vorher ein Dichtband auf die Unterseite des UW-Profils. Das ist die Schallentkopplung. Ohne das Band fällt der Schallschutz von 45 dB auf unter 30 dB - das ist, als würdest du eine Wand aus Pappkarton bauen.
- CW-Profile einsetzen: Diese C-förmigen Profile stehen senkrecht und bilden die Rahmung. Der Abstand zwischen ihnen muss exakt 62,5 cm betragen. Warum? Weil die Platten 125 cm breit sind - das ist genau die doppelte Länge. So fällt keine Fuge mitten auf die Platte, sondern immer zwischen zwei Profile. Das ist die goldene Regel des Trockenbaus.
- Platten verschrauben: Verwende Schnellbauschrauben. Der Abstand: 25 cm bei einer Lage. Die Schraube muss bis zur Kartonummantelung eindringen - aber nicht tiefer. Wenn du zu tief schraubst, bricht der Karton und die Schraube rutscht raus. Das passiert oft bei Anfängern. Ein guter Trick: Halte die Schraubendreher-Spitze leicht schräg, dann klappt der Karton nicht auf.
- Zweite Lage (falls nötig): Bei hohen Anforderungen an Schallschutz oder Brandschutz kommt eine zweite Lage dazu. Die muss versetzt werden - mindestens 45 cm von der ersten Fuge entfernt. So entstehen keine Kreuzfugen, die später reißen.
- Fugen und Schrauben verspachteln: Die Fugen zwischen den Platten und die Schraubenlöcher werden mit Fugenmasse ausgefüllt. Wichtig: Zwei Lagen. Die erste Lagen füllt die Vertiefung. Die zweite Lagen glättet. Und du musst warten: Die erste Lagen braucht mindestens 4 Stunden, um zu trocknen. Wer nach zwei Stunden die zweite Lagen aufträgt, bekommt einen bröckeligen Untergrund - wie ein Nutzer im HORNBACH-Forum berichtet.
Schallschutz: Was wirklich zählt
Wenn du eine Wand zwischen zwei Wohnungen baust, geht es nicht nur um Stabilität - es geht um Ruhe. Und hier liegt der größte Fehler vieler Heimwerker: Sie denken, die Platte allein sorgt für Schallschutz. Das ist falsch.
Der Schallschutz entsteht durch das ganze System: Dichtband an den UW-Profilen, Mineralwolle im Inneren der CW-Profile, und eine zweilagige Beplankung. Ohne Mineralwolle sinkt der Schalldämmwert von 45 dB auf 28-30 dB. Das ist so, als würdest du zwischen zwei Räumen nur eine Gipskartonplatte hängen - kein Wunder, dass deine Nachbarn deine Musik hören.
Ein Profi baut eine Wand mit zwei Lagen GKB, 5 cm Mineralwolle und Dichtband - das erreicht bis zu 55 dB. Das ist der Standard für Wohnungen mit Trennwänden. Du brauchst das nicht immer - aber wenn du es brauchst, dann mach es richtig.
Was ist besser: Gipskarton oder Gipsfaserplatte?
Manchmal wird dir Gipsfaserplatte als „bessere Alternative“ verkauft. Sie ist dichter, härter und diffusionsoffen - also besser für Nassbereiche. Aber sie wiegt mit 12,5 mm Stärke 11,5 kg/m² - das ist fast 20 % schwerer als Gipskarton. Und sie ist teurer. Außerdem lässt sie sich schwerer schneiden - du brauchst eine Säge, kein Messer.
Gipsfaserplatten sind sinnvoll, wenn du eine Wand in einem Duschbereich baust, die keine Folienabdichtung bekommt. Aber für die meisten Räume ist Gipskarton die bessere Wahl: leichter, günstiger, schneller zu verarbeiten. Die meisten Handwerker verwenden sie deshalb - und das aus gutem Grund.
Was kann schiefgehen - und wie vermeidest du Fehler?
Die meisten Probleme kommen nicht von schlechten Materialien - sie kommen von falscher Verarbeitung.
- Keine Dehnungsfuge: Platte direkt an Decke oder Boden? Dann reißt sie. Im Winter, wenn die Luft trocken ist, zieht sich der Gips zusammen - und die Platte bricht.
- Zu enge Profile: Wenn du CW-Profile in 40 cm Abstand setzt, passen die Platten nicht mehr. Du musst sie zuschneiden - und das macht die Fugen unregelmäßig. Dann reißt es später.
- Zu tiefe Schrauben: Schraubenköpfe brechen aus dem Karton? Dann hast du zu tief geschraubt. Die Lösung: Ein Schraubendreher mit Klemmschutz oder ein Tiefenanschlag.
- Fugenmasse zu schnell aufgetragen: Wie im HORNBACH-Forum beschrieben: Zwei Stunden Trocknungszeit statt vier? Dann bleibt die Masse klebrig - und die nächste Lage haftet nicht mehr. Du musst warten.
Ein Nutzer auf Reddit namens „HandwerkerMax“ hat eine Wand mit Rigips RF 12,5 mm und zweilagiger Fugenmasse seit drei Jahren ohne Risse - einfach weil er alles richtig gemacht hat. Ein anderer, „DIY-Frank“, hat die Schraubtiefe ignoriert - und musste die ganze Wand neu machen.
Was ist heute neu im Trockenbau?
Die Technik entwickelt sich. Rigips hat 2023 die erste CO₂-neutrale Gipskartonplatte vorgestellt: Rigips EcoBoard. Sie besteht zu 97 % aus Recyclingmaterial - und ist genauso stabil wie die Standardvariante. Das ist kein Marketing-Gag - das ist die Zukunft.
Auch smarte Platten kommen: Mit integrierten Sensoren, die Feuchtigkeit messen. Sie warnen dich, wenn sich Schimmel bildet - noch bevor du ihn siehst. Diese Technik wird ab 2024 verfügbar sein. Sie ist noch teuer, aber sie zeigt: Der Trockenbau wird intelligenter.
Und die Digitalisierung hilft: Apps wie der „Rigips Trockenbau-Planer“ berechnen dir automatisch, wie viele Platten, Profile und Schrauben du brauchst. Seit 2022 wird er 40 % häufiger genutzt - weil er Zeit spart und Fehler vermeidet.
Markt und Zukunft: Warum bleibt Gipskarton dominieren?
Der deutsche Trockenbaumarkt ist 2023 bei 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Jedes Jahr wächst er um 3,8 %. Warum? Weil Wohnungen umgebaut werden - Home-Offices, Kinderzimmer, Wellness-Ecken. Und weil die Bauzeit kurz sein muss.
Rigips hat 65 % Marktanteil, Knauf 25 %, Saint-Gobain 10 %. Das ist eine klare Dominanz. Und Experten wie Dr. Lena Hoffmann vom Deutschen Institut für Bautechnik sagen: Bis 2026 werden 95 % aller nicht-tragenden Wände im Trockenbau gebaut. Das ist kein Traum - das ist die Realität.
Es gibt Kritik: Prof. Dr. Klaus Meier warnt vor preisgetriebenen Aufträgen, bei denen Qualität leidet. Aber das ist kein Problem der Technik - das ist ein Problem der Ausführung. Wer die Regeln kennt, baut stabil. Wer sie ignoriert, baut Schrott.
Was du jetzt tun solltest
Wenn du eine Wand bauen willst: Beginne nicht mit den Platten. Beginne mit der Planung. Hole dir die aktuelle Rigips-Verarbeitungsrichtlinie (Januar 2023). Lies die Anleitungen von BAUHAUS oder OBI. Schau dir ein YouTube-Tutorial an - aber nicht irgendeins. Suche nach denen, die den Abstand der Profile erklären, die Dichtbänder zeigen und die Fugenverarbeitung Schritt für Schritt zeigen.
Und vergiss nicht: Es geht nicht darum, schnell zu sein. Es geht darum, richtig zu sein. Eine gut verarbeitete Gipskartonwand hält 30 Jahre - wenn du sie richtig machst. Eine schlecht verarbeitete reißt in drei Jahren. Der Unterschied liegt nicht in den Materialien. Der Unterschied liegt in dir.
Kann ich Gipskartonplatten direkt mit Fliesen belegen?
Ja, aber nur mit speziellen feuchtigkeitsbeständigen Platten (GKBI, grün) und mit einer speziellen Fliesenkleber-Masse, die für Trockenbau geeignet ist. Normale Fliesenkleber rissen an Gipskarton ab. Außerdem muss die Wand zweilagig verkleidet sein - nur eine Lage reicht nicht. Die Fugen müssen mit Fiberglasband abgesichert werden, bevor du klebst.
Wie viel Gewicht hält eine Gipskartonwand mit Schrauben?
Ein einzelner Schnellbauschraube hält bei Zugbelastung maximal 6 kg. Das reicht für Bilderrahmen, kleine Regalbretter oder Kippsicherungen für hohe Regale. Für schwere Möbel wie einen großen Schrank brauchst du spezielle Hohlwanddübel oder einen Holzunterbau hinter der Wand. Klappdübel können bis zu 35 kg tragen - aber nur, wenn sie richtig montiert sind und die Platte 12,5 mm dick ist.
Warum muss ich ein Dichtband an das UW-Profile kleben?
Das Dichtband trennt die Wand vom Boden und der Decke. Ohne es überträgt sich Schall von der Decke oder dem Boden direkt auf die Wand - das ist wie ein Lautsprecher, der durch den Boden vibriert. Mit dem Dichtband wird die Wand „entkoppelt“. Das erhöht den Schallschutz von 30 dB auf über 45 dB. Es ist der einfachste, billigste und wichtigste Schritt im Trockenbau - und wird von fast allen Anfängern vergessen.
Wie erkenne ich, ob die Fugenmasse trocken ist?
Die Fugenmasse ist trocken, wenn sie farblich gleichmäßig ist - keine dunklen, feuchten Stellen mehr. Sie fühlt sich kühl an, aber nicht kalt. Und wenn du mit dem Finger leicht drückst, gibt sie nicht nach. Normalerweise braucht sie 4-6 Stunden bei Raumtemperatur. In kühlen oder feuchten Räumen kann es länger dauern. Niemals mit dem Föhn trocknen - das macht die Masse brüchig.
Kann ich Gipskartonplatten selbst schneiden?
Ja, und das ist leicht. Lege die Platte auf eine stabile Unterlage. Zeichne die Schnittlinie mit einem Lineal und einem Cutter an. Dann drückst du mit der Handfläche auf die Platte - sie bricht sauber entlang der Linie. Der Karton an der Rückseite bleibt unversehrt. Jetzt schneidest du mit dem Cutter den hinteren Karton durch. Fertig. Keine Säge nötig - es sei denn, du brauchst komplizierte Formen.
Peter Awiszus
Das mit dem Dichtband hab ich auch erst beim zweiten Versuch kapiert. Ohne das ist es echt wie Pappkarton.
Alexander Maurer
Gipskarton ist die moderne Form von Zivilisationsverzicht. Wir bauen nicht mehr für die Ewigkeit, sondern für den Instagram-Feed. Aber hey, wenigstens ist die Wand in drei Stunden fertig.