Dachfenster und Gauben prüfen: So sichern Sie Dichtheit und Wärmeschutz

Dachfenster und Gauben prüfen: So sichern Sie Dichtheit und Wärmeschutz

Ein undichtes Dachfenster oder eine schlecht abgedichtete Gaube kann mehr als nur ein lästiges Tropfen verursachen. Sie führt zu Feuchtigkeitsschäden, Schimmelbildung und massiven Energieverlusten - oft erst sichtbar, wenn der Schaden schon teuer ist. Viele Hausbesitzer in Leipzig und anderswo ignorieren diese Bauteile, bis es zu spät ist. Doch eine regelmäßige Prüfung von Dachfenstern und Gauben ist nicht nur sinnvoll, sie ist essenziell, um teure Folgeschäden zu vermeiden. Wie genau Sie das machen, welche Methoden wirklich funktionieren und wo die häufigsten Probleme liegen, zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt.

Warum Dachfenster und Gauben besonders anfällig sind

Dachfenster und Gauben sind keine einfachen Einbauten. Sie durchbrechen die Dachhaut, was die luft- und wasserdichte Schicht unterbricht. Genau dort, wo die Gaube auf das Dach trifft, entstehen die häufigsten Undichtigkeiten. Die Übergänge zwischen senkrechten Wänden und geneigten Dachflächen sind technisch anspruchsvoll. Selbst bei fachgerechter Montage können sich im Laufe der Zeit Materialien verziehen, Dichtungen altern oder Kondensation sich in den Fugen ansammeln. Besonders kritisch ist es bei Dächern mit einer Neigung unter 10 Grad. Hier reicht eine normale Ziegeldeckung nicht aus - die Unterspannbahn muss zusätzlich als regensichere Schicht wirken, sonst dringt Wasser von unten nach innen. Laut den Dachdeckerfachregeln ist das ein häufig unterschätztes Risiko.

Die ersten Anzeichen: Was Sie sehen und fühlen sollten

Sie müssen nicht auf einen großen Leck warten, um zu handeln. Kleine Anzeichen reichen aus, um eine Prüfung zu starten:

  • Feuchtigkeitsspuren an der Decke unter dem Dachfenster oder an den Wänden der Gaube
  • Verfärbungen, Schimmel oder ein muffiger Geruch in der Dachkammer
  • Kälteempfinden direkt neben dem Fenster, selbst bei geöffneten Heizkörpern
  • Ein Zischen oder Luftzug, wenn Sie das Fenster geschlossen haben
  • Nach starken Stürmen, Schneelasten oder langanhaltendem Regen
Wenn eines dieser Anzeichen auftritt, ist es Zeit, nicht nur das Fenster zu reinigen, sondern die gesamte Abdichtung zu überprüfen. Besonders nach extremen Wetterereignissen oder wenn das Dach älter als 15 Jahre ist, sollte eine Inspektion nicht verschoben werden.

Die Sichtprüfung: Der erste Schritt für jedermann

Bevor Sie teure Geräte anschaffen oder einen Fachmann rufen, beginnen Sie mit einer einfachen, aber entscheidenden Sichtprüfung. Steigen Sie aufs Dach - vorsichtig und mit Sicherheitsausrüstung - oder nutzen Sie eine lange Leiter und eine gute Taschenlampe. Konzentrieren Sie sich auf diese Bereiche:

  • Die Übergänge zwischen Gaubenwand und Dachdeckung
  • Die Fugen zwischen Fensterrahmen und Dachhaut
  • Die Kanten und Ecken der Gaube - hier sammelt sich oft Wasser
  • Die Dichtungen um das Fenster - sind sie spröde, gerissen oder abgelöst?
  • Die Dachrinnen und Abflüsse - verstopfte Rinnen führen zu Rückstau und Druck auf die Abdichtung
Achten Sie auf lose Dachziegel, abgeplatzte Dichtmassen oder verfärbte Holzschalungen. Ein kleiner Riss, der Ihnen auffällt, kann ein großes Problem sein. In vielen Fällen reicht diese Sichtprüfung aus, um kleinere Schäden zu erkennen und selbst zu reparieren - etwa durch Nachdichten mit einer flexiblen Dichtmasse.

Der Papierstreifen-Test: Einfach, billig, zuverlässig

Für Dachfenster gibt es einen praktischen Test, den jeder Hausbesitzer selbst durchführen kann: den Papierstreifen-Test. Nehmen Sie einen schmalen Streifen Küchenpapier (ca. 2 cm breit, 15 cm lang) und schieben Sie ihn zwischen Fensterfalz und Rahmen. Was passiert?

  • Wenn er sich nicht verschieben lässt: Das Fenster ist zu dicht. Es kann zu Kondensation kommen, weil keine Luftzirkulation mehr stattfindet.
  • Wenn er sich mit kleinem Widerstand verschieben lässt: Die Abdichtung ist optimal. Es gibt noch genug Luftaustausch, um Feuchtigkeit abzuführen, aber keine unkontrollierte Zugluft.
  • Wenn er sich leicht und ohne Widerstand bewegt: Die Dichtung ist defekt. Luft strömt unkontrolliert ein - das bedeutet Wärmeverlust und mögliche Feuchteschäden.
Dieser einfache Test zeigt Ihnen, ob die Dichtung noch funktioniert oder ob der Fensterflügel justiert oder die Dichtung ausgetauscht werden muss. Er ist besonders nützlich, wenn Sie unsicher sind, ob das Fenster wirklich undicht ist oder nur kalt fühlt.

Detaillierte Darstellung des Papierstreifen-Tests an einem Dachfenster mit drei möglichen Dichtungszuständen.

Thermografie: Die unsichtbare Feuchtigkeit sichtbar machen

Wenn die Sichtprüfung nichts findet, aber der Schimmel trotzdem wächst, ist Thermografie die Antwort. Mit einer Infrarotkamera messen Fachleute Temperaturunterschiede auf der Dachfläche. Wo Feuchtigkeit eingedrungen ist, speichert sie Wärme anders als trockenes Material - und das zeigt die Kamera als dunkle oder helle Flecken, je nach Temperaturunterschied. Die Methode ist nicht-invasiv, das heißt, Sie müssen das Dach nicht aufschneiden.

Wichtig: Für aussagekräftige Ergebnisse braucht es einen Temperaturunterschied von mindestens 10 bis 15 Grad zwischen Innen- und Außentemperatur. Das heißt, der beste Zeitpunkt ist der Herbst, wenn draußen kalt, aber drinnen noch warm ist. Eine Thermografie-Prüfung kostet je nach Dachfläche zwischen 250 und 500 Euro, aber sie spart Ihnen oft tausende Euro an Reparaturkosten. Besonders bei Flachdächern, Gauben mit komplexen Formen oder wenn mehrere Schadstellen vermutet werden, ist sie unersetzlich.

Der Rauchtest: Wenn es schwer zugänglich ist

Ein weiteres bewährtes Verfahren ist der Rauchtest. Dabei wird ein unschädlicher, geruchloser Rauch in die Dachkonstruktion geblasen - etwa durch einen Ventilator oder eine spezielle Rauchpistole. Wo der Rauch austritt, ist die Abdichtung undicht. Diese Methode ist besonders effektiv bei schwer zugänglichen Stellen, wie unter Dachsparren, hinter Dachrinnen oder in Ecken, die man nicht sehen kann. Der Rauchtest ist ideal für Laien, die selbst prüfen wollen, und wird oft von Dachdeckerbetrieben als Ergänzung zur Thermografie eingesetzt. Er ist günstig, schnell und liefert sofort sichtbare Ergebnisse.

Was Sie selbst tun können - und was Sie lassen sollten

Sie können viele der Prüfungen selbst durchführen. Aber es gibt Grenzen:

  • Was Sie tun können: Sichtprüfung, Papierstreifen-Test, Rauchtest mit handelsüblichem Rauchgerät, Kontrolle der Dachrinnen, Reinigung der Fensterdichtungen.
  • Was Sie nicht tun sollten: Mit Wasserdruck prüfen (kann Schäden verursachen), selbst Dachbahnen verlegen, Elektroimpulsverfahren nutzen (erfordert Fachwissen und Geräte), Thermografie ohne Schulung interpretieren (Falschmeldungen sind häufig).
Wenn Sie mehr als zwei Stellen mit sichtbaren Schäden finden, oder wenn die Thermografie mehrere unklare Bereiche anzeigt, holen Sie einen Dachdecker hinzu. Die DGUV-Information 201-054 aus dem Jahr 2022 weist ausdrücklich darauf hin: Arbeiten an Dachfenstern und Gauben erfordern spezielle Sicherheitsvorkehrungen - nicht nur wegen des Sturzrisikos, sondern auch wegen der technischen Komplexität der Abdichtung.

Was passiert, wenn Sie nichts tun?

Ein undichtes Dachfenster führt nicht nur zu nassen Wänden. Feuchtigkeit dringt in die Dämmung ein - und dort bleibt sie. Die Dämmung verliert ihre Wirkung, die Heizkosten steigen, und die Holzkonstruktion beginnt zu faulen. Schimmel bildet sich nicht nur sichtbar an der Decke, sondern auch unsichtbar in den Sparren. In manchen Fällen dauert es Jahre, bis der Schaden auffällt - und dann ist die Reparatur teuer: Dachziegel, Dämmung, Holzträger, Innenausbau - alles muss erneuert werden. Einige Nutzer auf Foren berichten von Reparaturkosten von über 10.000 Euro, die sich hätten vermeiden lassen, wenn die erste kleine Stelle rechtzeitig erkannt worden wäre.

Thermografisches Bild eines Daches, das feuchte Stellen als warme Flecken an Gaube und Fenster zeigt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Prüfung?

Die beste Zeit ist der Herbst, vor dem ersten Frost. Dann ist die Außentemperatur niedrig genug für eine aussagekräftige Thermografie, aber noch nicht so kalt, dass Sie sich nicht mehr aufs Dach wagen können. Außerdem haben Sie Zeit, die Reparatur vor der Winterzeit zu planen. Eine jährliche Sichtprüfung ist Pflicht - nicht nur, um Schäden zu finden, sondern auch, um die Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erfüllen. Bei größeren Sanierungen ist ein Luftdichtheitsnachweis nach DIN EN 13829 Pflicht. Der n50-Wert - also der Luftwechsel pro Stunde bei 50 Pascal Druck - wird gemessen, um die Qualität der Gebäudehülle zu bewerten. Ein guter Wert liegt unter 1,5 h⁻¹. Wer das nicht prüft, riskiert bei einer Sanierung keine Fördermittel.

Was kostet eine professionelle Prüfung?

Die Kosten variieren je nach Methode und Größe:

  • Sichtprüfung durch Dachdecker: 80-150 Euro
  • Thermografie-Prüfung (bis 150 m² Dachfläche): 250-500 Euro
  • Rauchtest (einfach, für einzelne Bereiche): 100-200 Euro
  • Luftdichtheitsmessung nach DIN EN 13829: 300-600 Euro
Viele Dachdeckerbetriebe in Sachsen, wie die Henke AG, bieten Pakete an: Sichtprüfung + Thermografie + Bericht. Das lohnt sich, besonders wenn Sie die Prüfung für eine Förderung brauchen. Die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen steigt jährlich um 5-7 % - weil immer mehr Hausbesitzer verstehen, dass Vorsorge günstiger ist als Reparatur.

Zukunft: Intelligente Dachfenster mit Sensoren

Die Branche entwickelt sich weiter. In einigen Pilotprojekten werden bereits Sensoren in Dachfenster integriert, die Feuchtigkeit, Temperatur und Luftdruck kontinuierlich messen. Die Daten werden per WLAN an eine App gesendet - und warnen, wenn sich eine Undichtigkeit anbahnt. Noch ist das zu teuer für den Massenmarkt. Aber in zehn Jahren wird es Standard sein. KI-basierte Auswertung von Thermografie-Bildern wird die Fehlerquote senken, und digitale Prüfprotokolle ersetzen die Papierberichte. Die BMI Gruppe arbeitet an standardisierten Prüfverfahren für Gauben, die 2024 veröffentlicht werden sollen - ein weiterer Schritt in Richtung mehr Sicherheit.

Was Sie jetzt tun sollten

1. Machen Sie heute noch eine Sichtprüfung - nutzen Sie Ihre Taschenlampe und prüfen Sie die Übergänge von Gaube und Dach.

2. Führen Sie den Papierstreifen-Test an jedem Dachfenster durch. Notieren Sie sich, wo der Streifen zu leicht oder zu schwer gleitet.

3. Warten Sie nicht auf den ersten Schimmel. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich im Herbst eine Thermografie machen. Einmal investiert, sparen Sie Jahre lang.

4. Dokumentieren Sie alles: Fotos von Schäden, Datum der Prüfung, Ergebnisse. Das hilft Ihnen bei Versicherungen und bei zukünftigen Sanierungen.

Ein dichtes Dach ist kein Luxus - es ist die Grundlage für ein warmes, trockenes und energieeffizientes Zuhause. Und es beginnt mit einer einfachen Prüfung.

Wie oft sollte ich Dachfenster und Gauben prüfen?

Mindestens einmal jährlich, idealerweise im Herbst vor dem Winter. Bei älteren Dächern (über 15 Jahre), nach extremen Wetterereignissen oder wenn Sie Feuchtigkeitsspuren bemerken, sollten Sie sofort prüfen - nicht warten, bis der Schimmel sichtbar ist.

Kann ich eine Undichtigkeit selbst reparieren?

Kleine Schäden wie abgeplatzte Dichtmasse oder lose Fugen können Sie mit einer flexiblen Silikon- oder Butylkautschuk-Dichtmasse selbst reparieren. Wichtig: Reinigen Sie die Fläche gründlich, lassen Sie sie trocknen, und verwenden Sie nur Produkte, die für Dachfenster zugelassen sind. Bei größeren Schäden, wie gerissenen Dachbahnen oder verfaultem Holz, sollten Sie einen Dachdecker hinzuziehen - Eigenreparaturen können den Schaden verschlimmern.

Warum ist die Dachneigung bei Gauben so wichtig?

Bei einer Neigung unter 10 Grad kann Wasser nicht mehr abfließen - es sammelt sich und drückt sich unter die Dachdeckung. Normale Ziegel sind hier nicht ausreichend. Es braucht eine zusätzliche, regensichere Unterspannbahn, die auch bei stehendem Wasser dicht bleibt. Viele Hausbesitzer unterschätzen das - und das führt zu undichten Gauben, die erst nach Jahren auffallen.

Was ist der n50-Wert und warum ist er wichtig?

Der n50-Wert misst, wie viel Luft pro Stunde durch die Gebäudehülle strömt, wenn ein Unterdruck von 50 Pascal erzeugt wird. Ein Wert unter 1,5 h⁻¹ gilt als gut. Er ist wichtig, weil er die Luftdichtheit quantifiziert - und bei Sanierungen oder Neubauten gesetzlich vorgeschrieben ist. Ohne diesen Nachweis erhalten Sie oft keine Fördermittel von der KfW oder anderen Programmen.

Ist Thermografie wirklich zuverlässig?

Ja - aber nur unter den richtigen Bedingungen. Die Außentemperatur muss mindestens 10-15 Grad kälter sein als innen, und es darf nicht regnen oder neblig sein. Bei falscher Auswertung kann es zu Fehlalarmen kommen. Deshalb sollten Sie immer einen zertifizierten Fachmann mit geeigneter Ausrüstung beauftragen - nicht irgendeinen Anbieter mit einer billigen Kamera.