Trockenbau-Baustoffe: Die besten Materialien für Innenausbau und Renovierung

Trockenbau-Baustoffe: Die besten Materialien für Innenausbau und Renovierung

In Deutschland wird heute fast jede zweite Innenausbau-Renovierung mit Trockenbau durchgeführt - schneller, sauberer und flexibler als traditionelle Methoden. Doch welche Materialien sind wirklich die richtigen für Ihre eigenen vier Wände? Im Gegensatz zum Nassbau mit Putz und Mörtel sorgt der Trockenbau für deutlich kürzere Bauzeiten und weniger Schmutz. Doch mit so vielen Materialien wie Gipskartonplatten, Gipsfaserplatten oder OSB-Platten ist die Wahl nicht immer einfach.

Was ist Trockenbau und warum ist es die beste Wahl?

Der Trockenbau ist eine Bauweise, bei der Innenwände, Decken und Verkleidungen ohne nasse Baustoffe wie Putz oder Mörtel errichtet werden. Stattdessen kommen vor allem Platten aus Gips, Holz oder Zement zum Einsatz. Diese Methode hat sich seit den 1980er Jahren als Standard etabliert, weil sie bis zu 50 % schneller ist als traditionelle Nassbauverfahren. Zudem ist sie sauberer, da keine nassen Materialien verarbeitet werden müssen. Das bedeutet weniger Staub, weniger trocknende Zeit und weniger Störungen für die Bewohner. Besonders bei Renovierungen oder Neubauten ist der Trockenbau daher eine beliebte Wahl.

Die wichtigsten Baustoffe im Detail

Für den Innenausbau stehen verschiedene Bauplatten zur Verfügung, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften haben. Hier eine Übersicht der gängigsten Materialien:

Gipskartonplatten bestehen aus einem Gipskern, der zwischen zwei Kartonlagen eingeklebt ist. Sie sind in Standardstärken von 9,5 mm, 12,5 mm und 15 mm erhältlich und eignen sich hauptsächlich für trockene Bereiche. Mit Preisen zwischen 3 und 8 € pro Quadratmeter sind sie die wirtschaftlichste Option. Allerdings bieten selbst imprägnierte grüne Gipskartonplatten nur begrenzten Schutz vor Feuchtigkeit, was sie für Bäder oder Küchen ungeeignet macht.

Gipsfaserplatten haben einen festen Gipskern mit eingebetteten Fasern. Sie wiegen etwa 10-12 kg/m² und sind feuchteunempfindlicher als Gipskartonplatten. Mit Preisen von 8-12 €/m² eignen sie sich ideal für Bäder, Küchen und Dachausbauten. Die Deutsche Gesellschaft für Trockenbau (DGT) empfiehlt sie explizit für Feuchträume, da sie die beste Kombination aus Feuchtebeständigkeit, Schallschutz und Bearbeitbarkeit bieten.

OSB-Platten (Oriented Strand Board) bestehen aus Holzspänen, die in Schichten verpresst werden. Sie sind in den Klassen OSB/2 bis OSB/4 erhältlich, wobei OSB/3 und OSB/4 für feuchtebereiche geeignet sind. Typische Stärken liegen bei 9-22 mm, das Gewicht beträgt 6-10 kg/m². Mit Preisen von 5-10 €/m² sind sie besonders für Fußböden und tragende Konstruktionen geeignet. Viele Heimwerker verwenden sie fälschlicherweise für Wände, was bei falscher Klasse zu Schäden führen kann.

Zementplatten bestehen aus Zement, Sand und Fasern. Sie wiegen mit 20-25 kg/m² deutlich mehr und kosten 15-25 €/m². Sie bieten hervorragende Feuchte- und Brandschutzeigenschaften, sind aber schwer zu verarbeiten. Ihr großer Nachteil: Sie regulieren keine Feuchtigkeit und ermöglichen keine "atmenden Wände". Sie eignen sich daher nur für spezielle Anwendungen wie Außenwände oder Keller.

Lehmbauplatten bestehen aus natürlicher Lehm-Masse und sind in Stärken von 10-50 mm erhältlich. Sie wiegen etwa 15-20 kg/m² und kosten 20-30 €/m². Durch ihre hohe Feuchtigkeitsregulierung und natürlichen Eigenschaften sind sie ideal für ökologischen Bau. Sie absorbieren Feuchtigkeit bei hoher Luftfeuchtigkeit und geben sie bei Trockenheit wieder ab. Der Nachteil: Sie haben noch keine einheitlichen Prüfzertifikate, was die Akzeptanz bei Bauunternehmen hemmt.

Vergleich der gängigsten Trockenbauplatten
Material Gewicht Preis (€/m²) Beste Anwendung Feuchtebeständigkeit
Gipskartonplatten 8-10 kg/m² 3-8 Trockene Räume Begrenzt (grüne Platten etwas besser)
Gipsfaserplatten 10-12 kg/m² 8-12 Bäder, Küchen, Dachausbau Hoch
OSB-Platten 6-10 kg/m² 5-10 Fußböden, tragende Konstruktionen OSB/3 und OSB/4 geeignet
Zementplatten 20-25 kg/m² 15-25 Außenwände, Keller Hoch, aber keine Feuchteregulierung
Lehmbauplatten 15-20 kg/m² 20-30 Ökologischer Bau, Feuchtigkeitsregulierung Sehr gut
Drei Trockenbauplatten in ihren Anwendungsbereichen: Badezimmer, Fußboden und ökologischer Raum mit Holzmöbeln.

Praxis-Tipps für den richtigen Einsatz

Viele Heimwerker unterschätzen die Bedeutung der richtigen Materialwahl. Eine falsche Entscheidung kann bis zu 40 % höhere Nachbesserungskosten verursachen, wie die Architektin Dr. Petra Müller betont. Hier sind die wichtigsten Tipps:

  • Feuchträume: Für Bäder und Küchen eignen sich Gipsfaserplatten oder OSB/3-Platten. Normale Gipskartonplatten sind selbst imprägniert ungeeignet, da sie Feuchtigkeit aufnehmen können.
  • Schallschutz: Spezielle Schallschutzplatten wie Knauf Silentboard oder Saint-Gobain Rigips Silentboard reduzieren Geräusche effektiv. Für Wände zwischen Wohnräumen und Schlafzimmern ist das besonders wichtig.
  • Brandschutz: Für Brandschutzwände sollten Sie spezielle Brandplatten wie Knauf Fireboard verwenden. Diese halten Feuer länger auf und schützen vor Ausbreitung.
  • DIY-Freundlichkeit: Gipskartonplatten sind am einfachsten zu verarbeiten. Profis benötigen 4-5 Stunden für eine Wand, Anfänger etwa 8-10 Stunden. Metallprofile (UW- und CW-Profile aus verzinktem Stahlblech) bieten bessere Stabilität als Holzlattungen.
  • Recyclingmaterialien: Die DGT fördert seit 2024 die Verwendung von Recyclingmaterialien in Trockenbauplatten. Achten Sie auf Hersteller, die mindestens 30 % recycelte Inhaltsstoffe verwenden.
Konzeptuelle Darstellung von recycelten Materialien, die in Trockenbauplatten umgewandelt werden, mit holografischem Modell.

Markt-Trends und zukünftige Entwicklungen

Der Markt für Innenausbau-Baustoffe wächst stetig. Laut dem Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) betrug das Volumen 2023 1,8 Milliarden Euro mit einer jährlichen Steigerung von 3,5 %. Gipskartonplatten dominieren mit 65 % Marktanteil, gefolgt von OSB-Platten mit 15 %. Doch die Nachfrage nach ökologischen Materialien steigt besonders schnell - Lehmbauplatten wachsen jährlich um 12 %. Aktuelle Entwicklungen zeigen eine zunehmende Digitalisierung. Saint-Gobain Rigips bietet seit 2023 die Planungssoftware "Rigips Planner" an, die die Materialberechnung optimiert. Die Deutsche Gesellschaft für Trockenbau (DGT) fördert zudem die Verwendung von Recyclingmaterialien in Trockenbauplatten. Laut einer Prognose des Instituts für Bauforschung (IfB) wird der Anteil intelligenter Bauplatten mit Sensoren bis 2030 auf 15 % ansteigen. Dennoch bleibt die Standardisierung von Naturbaustoffen wie Lehmbauplatten eine Herausforderung, da viele noch keine einheitlichen Zertifikate haben.

Häufig gestellte Fragen

Welche Bauplatten eignen sich für Feuchträume wie Bäder?

Für Feuchträume sind Gipsfaserplatten oder OSB/3-Platten die beste Wahl. Gipsfaserplatten sind feuchtigkeitsbeständig und haben eine Stärke von 10-15 mm. Sie wiegen etwa 10-12 kg/m² und bieten eine gute Kombination aus Feuchtebeständigkeit, Schallschutz und leichter Bearbeitbarkeit. Zementplatten sind zwar noch widerstandsfähiger, aber deutlich schwerer (20-25 kg/m²) und teurer (15-25 €/m²). Normale Gipskartonplatten sind auch mit Imprägnierung nicht für Bäder geeignet, da sie trotzdem Feuchtigkeit aufnehmen können.

Warum sind Metallprofile besser als Holzlattungen?

Metallprofile aus verzinktem Stahlblech (UW- und CW-Profile) bieten höhere Stabilität und sind feuchtigkeitsbeständig. Holzlattungen können bei Feuchtigkeit aufquellen oder schimmeln, was zu späteren Schäden führt. Metallprofile sind außerdem leichter zu verarbeiten und ermöglichen präzisere Wandkonstruktionen. Laut einer Umfrage auf Bau-Profis.de (2024) nutzen 87 % der Handwerker Metallprofile als Standard für stabile Trockenbaukonstruktionen.

Wie erkenne ich eine qualitativ hochwertige Gipsfaserplatte?

Eine hochwertige Gipsfaserplatte hat eine einheitliche, feste Oberfläche ohne Risse oder Unebenheiten. Sie wiegt etwa 10-12 kg/m² und hat eine Stärke von mindestens 10 mm. Achten Sie auf Hersteller wie Saint-Gobain Rigips oder Knauf, die strenge Qualitätskontrollen durchführen. Die Platte sollte sich beim Biegen nicht brechen und bei Feuchtigkeit keine Quellung zeigen. Prüfen Sie zudem die CE-Kennzeichnung und die DIN-Normen für Feuchtebeständigkeit (z.B. DIN EN 520).

Gibt es ökologische Alternativen zu herkömmlichen Platten?

Ja, Lehmbauplatten sind eine der besten ökologischen Alternativen. Sie bestehen aus natürlichen Materialien wie Lehm, Sand und pflanzlichen Fasern. Sie regulieren die Raumfeuchtigkeit aktiv, speichern Wärme und sind komplett recycelbar. Zudem haben sie keine schädlichen Emissionen. Andere Optionen sind Holzfaserplatten mit recyceltem Material oder Gipsplatten mit hohem Recyclinganteil (mindestens 30 %). Die Nachfrage nach diesen Materialien steigt jährlich um 12 %, besonders bei Sanierungen von Bestandsgebäuden.

Warum sind OSB-Platten für Wände ungeeignet?

OSB-Platten sind grundsätzlich für Wände geeignet - aber nur in den Klassen OSB/3 und OSB/4. OSB/2 ist für trockene Bereiche und Fußböden gedacht. Viele Heimwerker verwenden fälschlicherweise OSB/2 für Wände in Feuchträumen, was zu Quellung und Schimmel führt. OSB/3 und OSB/4 sind speziell für feuchte Umgebungen entwickelt, haben aber eine höhere Dichte und sind schwerer zu verarbeiten. Für Wände sind Gipsfaserplatten oder spezielle OSB-Verkleidungsplatten meist die bessere Wahl.