Wenn du ein Loch in die Wand bohrst, um ein Bild aufzuhängen, klingt das einfach. Aber was, wenn es um eine Wand aus Beton, Vollziegel oder Naturstein geht? Da reicht eine normale Bohrmaschine nicht mehr. Hier brauchst du etwas Stärkeres: einen Schlagbohrer. Viele unterscheiden nicht zwischen Bohrmaschine und Schlagbohrer - und das kostet Zeit, Nerven und manchmal sogar das Werkzeug. Wie du das richtige Gerät für dein Mauerwerk auswählst, wie du es richtig benutzt und warum du manchmal gar keinen Schlagbohrer brauchst, erfährst du hier.
Was macht einen Schlagbohrer vom normalen Bohrer unterscheidet?
Eine normale Bohrmaschine dreht einfach nur. Sie ist perfekt für Holz, Metall oder Kunststoff. Aber Beton? Ziegel? Stein? Da dreht sich der Bohrer - und bleibt stecken. Denn diese Materialien sind viel härter. Ein Schlagbohrer hingegen kombiniert Drehbewegung mit einem kurzen, schnellen Stoß. Genau wie ein kleiner Hammer, der mit jeder Umdrehung auf den Bohrer trifft. Diese Kombination aus Drehen und Schlagen zermalmt das Material, statt es nur zu schneiden. Das ist der Grund, warum ein Schlagbohrer in Mauerwerk viel schneller und effizienter arbeitet.
Wichtig: Ein Schlagbohrer ist nicht dasselbe wie ein Bohrhammer. Ein Bohrhammer hat einen pneumatischen Mechanismus, der viel mehr Kraft entwickelt. Er ist schwerer, lauter und teurer - aber er bohrt problemlos durch Stahlbeton oder Granit. Ein Schlagbohrer ist leichter, günstiger und vielseitiger. Er eignet sich gut für normale Heimwerkerarbeiten: Locher für Dübel in Außenwänden, Leitungen in Ziegelwänden, Halterungen in Beton. Aber er hat Grenzen. Wenn du tiefe Löcher in dicken Betonwänden brauchst, wirst du schnell merken, dass dein Schlagbohrer überfordert ist.
Welche Leistung brauchst du wirklich?
Nicht alle Schlagbohrer sind gleich. Die Leistung wird in Watt angegeben - und das ist kein Marketing-Gimmick. Für normale Heimwerkerarbeiten reicht ein Gerät mit 550 bis 750 Watt. Das ist ausreichend, um Löcher von 6 bis 12 mm Durchmesser in Ziegel, Klinker oder dünnem Beton zu bohren. Wenn du öfter bohrst, besonders in hartem Material, solltest du mindestens 800 Watt wählen. Ein Gerät mit 1.000 Watt oder mehr ist nur nötig, wenn du Löcher über 20 mm Durchmesser brauchst - zum Beispiel für große Rohre oder massive Anker.
Marken wie Bosch, Makita und Metabo bieten Modelle in allen Leistungsklassen. Der Bosch EasyImpact 630 mit 630 Watt ist ein beliebter Einstieg. Er ist leicht, hat eine einstellbare Schlagfunktion und eine gute Vibrationsdämpfung. Wer häufiger arbeitet, greift zum Bosch AdvancedImpact 900 mit 900 Watt. Beide haben Testsiegerstatus bei Testberichte.de mit einer Note von 1,4 („Sehr gut“). Makita-Modelle liegen zwischen 600 und über 1.000 Watt - ideal, wenn du auch mal größere Löcher brauchst.
Bohrer, Dübel und die richtige Größe
Es bringt nichts, das beste Werkzeug zu haben, wenn du den falschen Bohrer verwendest. Für einen 6-mm-Dübel brauchst du einen 6-mm-Bohrer. Punkt. Kein größerer, kein kleinerer. Warum? Weil der Dübel sonst nicht richtig hält - oder die Wand reißt. Bei größeren Dübeln (10 mm, 12 mm) ist das noch wichtiger. Die Bohrer für Mauerwerk haben eine spezielle Form: sie sind mit Hartmetallspitzen ausgestattet, oft mit zwei oder drei Schneiden. Sie sehen aus wie ein kleiner Meißel mit Spiralrillen.
Ein Tipp für Anfänger: Wenn du in poröse Wände bohrst - zum Beispiel in alten Ziegelwänden - dann bohre zuerst mit einem etwas kleineren Bohrer (1 mm kleiner) und dann mit dem richtigen Durchmesser nach. Das verhindert, dass das Mauerwerk ausbricht. Bei sehr harten Wänden wie Beton mit Stahlbewehrung ist es manchmal sinnvoll, mit einem 8-mm-Bohrer vorzubohren, bevor du mit dem 10-mm-Bohrer nachgehst.
So bohrst du richtig - Schritt für Schritt
Ein schlechtes Bohrergebnis liegt oft nicht am Werkzeug, sondern an der Technik. Hier ist der Ablauf, den Profis nutzen:
- Prüfe die Wand: Nutze einen Leitungssucher, um Wasser- und Stromleitungen zu finden. Das ist nicht nur wichtig - es ist lebenswichtig.
- Markiere den Punkt: Mit einem Stift oder Nagel die genaue Stelle kennzeichnen. Ein leichter Anriss hilft, der Bohrer rutscht nicht ab.
- Wähle Bohrer und Einstellung: Wähle den richtigen Bohrer. Stelle die Schlagfunktion ein - und nur dann, wenn du in Mauerwerk bohrst. Bei Ziegel oder Putz kannst du sie auch ausschalten.
- Starte langsam: Setze den Bohrer im 90-Grad-Winkel an. Drücke nicht zu fest. Lass den Motor arbeiten. Beginne mit niedriger Drehzahl, um den Bohrer einzuführen.
- Bohre mit Schlag: Sobald du durch den Putz bist, schaltest du die Schlagfunktion voll ein. Halte das Werkzeug stabil, aber nicht mit aller Kraft. Zu viel Druck überlastet den Motor.
- Reinige das Loch: Nach dem Bohren saugst du das Loch mit einem Staubsauger sauber. Kein Staub, kein Halt - der Dübel sitzt sonst locker.
- Setze den Dübel ein: Nur dann, wenn das Loch sauber ist. Sonst rutscht er raus - oder du hängst dein Bild nach drei Tagen auf dem Boden.
Was du unbedingt vermeiden solltest
Einige Fehler passieren fast jedem Anfänger - und sie kosten Geld.
- Kein Schutz: Du brauchst Gehörschutz, Schutzbrille und Staubmaske. Schlagbohrer sind laut, erzeugen Staub und schleudern Splitter. Das ist kein Risiko - das ist gefährlich.
- Zu viel Druck: Der Motor soll arbeiten, nicht du. Wenn du den Bohrer mit beiden Händen runterdrückst, überlastest du ihn. Er überhitzt, der Motor stirbt ab. Das passiert oft bei billigen Geräten nach 6 bis 12 Monaten.
- Falsche Bohrer: Ein Holzbohrer in Beton? Das ist wie ein Messer zum Steine brechen. Der Bohrer verschleißt sofort. Und du hast am Ende nur ein verbranntes, verformtes Werkzeug.
- Kein Wechsel: Wenn du zwischen Bohren und Schrauben wechselst, brauchst du ein Schnellspannbohrfutter. Bosch und Makita bieten das an. Sonst brauchst du einen Schraubenschlüssel - und das kostet Zeit und Nerven.
Welches Gerät ist das richtige für dich?
Es gibt drei Hauptgruppen - und du solltest dich fragen: Wie oft bohre ich?
Gelegentlicher Heimwerker: Wenn du nur ein paar Male im Jahr etwas aufhängst, reicht ein günstiges Modell ab 50 Euro. Der Scheppach DH1300 Plus ist ein klassischer Preistipp. Er hat 1.300 Watt, ist robust und hat eine Schlagfunktion. Perfekt für gelegentliche Arbeiten.
Regelmäßiger Heimwerker: Wenn du mehrere Projekte im Jahr machst - neue Steckdosen, Regale, Badrenovierung - dann investiere in ein Mittelklassegerät. Der Bosch EasyImpact 630 oder der Makita HR2470 sind gute Optionen. Sie sind leicht, haben gute Dämpfung und halten länger. Preis: 100 bis 200 Euro.
Professionell oder intensiv genutzt: Wenn du fast täglich bohrst - oder in hartem Beton - dann brauchst du einen Bohrhammer. Ein Schlagbohrer hält das nicht lange. Der Bosch Professional GBH 2-26 F ist ein Testsieger. Er ist schwerer, lauter, teurer (ab 300 Euro), aber er bohrt durch alles, was du ihm vorsetzt.
Akkugeräte: Die Zukunft ist kabellos
Früher war ein Schlagbohrer immer kabelgebunden. Heute gibt es leistungsstarke Akku-Modelle mit 18-Volt-Systemen. Sie sind leichter, flexibler und ideal für Arbeiten an hohen Stellen oder ohne Steckdose. Die Akkuleistung hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Das AEG-Modell aus dem ETM-Test 2023 wurde besonders gelobt: Es hält auch bei schwachem Akku noch eine hohe Leistung. Bis 2027 werden voraussichtlich 65 % aller neuen Schlagbohrer kabellos sein - gegenüber 45 % im Jahr 2022. Wenn du dich jetzt neu einkaufst, lohnt sich ein Akku-Modell.
Was kommt als Nächstes?
Die Technik entwickelt sich weiter. Neue Modelle haben Sensoren, die erkennen, ob du in Beton oder Ziegel bohrst, und automatisch die Drehzahl und Schlagstärke anpassen. Einige Hersteller testen bereits Apps, die dir zeigen, wie viel Leistung du gerade verbrauchst, oder dich warnen, wenn das Werkzeug überhitzen könnte. Auch nachhaltig wird es: Längere Lebensdauer, leichtere Reparatur, recyclebare Teile. Das ist kein Trend - das ist die Zukunft. Aber für heute reicht es, ein gutes Werkzeug zu haben, das zu deinem Einsatz passt.
Kann ich mit einem Schlagbohrer auch Holz bohren?
Ja, du kannst einen Schlagbohrer auch zum Bohren von Holz verwenden - aber nur, wenn du die Schlagfunktion ausschaltest. Viele moderne Schlagbohrer haben eine Umschaltung: „Bohren“ und „Schlagen“. Im „Bohren“-Modus arbeitet er wie eine normale Bohrmaschine. Das ist praktisch, wenn du nur ein Gerät hast. Aber für Holz brauchst du keinen Schlag - und der unnötige Schlag kann das Material beschädigen.
Warum überhitzen Schlagbohrer so schnell?
Schlagbohrer überhitzen, wenn du zu viel Druck ausübst oder zu lange ohne Pause arbeitest. Die Schlagfunktion erzeugt viel Reibung - und wenn der Motor ständig gegen harte Widerstände arbeitet, wird er heiß. Bei billigen Modellen reicht schon 15 bis 20 Minuten kontinuierliches Bohren in Beton, um den Motor zu überlasten. Tipp: Nach 5 bis 10 Minuten Pause machen. Das kühlt den Motor und verlängert die Lebensdauer.
Brauche ich einen Bohrhammer oder reicht ein Schlagbohrer?
Ein Schlagbohrer reicht für die meisten Heimwerkerarbeiten: Löcher für Dübel in Ziegel, Klinker oder dünnem Beton. Wenn du aber Löcher über 16 mm Durchmesser bohren willst, in Stahlbeton arbeitest, oder in Granit, dann brauchst du einen Bohrhammer. Er ist schwerer, teurer, aber viel stärker. Ein Schlagbohrer wird bei solchen Aufgaben schnell kaputt - und du verlierst Zeit und Geld.
Wie lange hält ein Schlagbohrer?
Ein gutes Schlagbohrer-Modell hält bei gelegentlichem Gebrauch 5 bis 10 Jahre. Wenn du es täglich in Beton bohrst, kann es nach 1 bis 2 Jahren an seine Grenzen kommen. Die Motoren und Getriebe sind die schwächsten Stellen. Billige Modelle (unter 80 Euro) halten oft nur 6 bis 12 Monate bei intensivem Einsatz. Investierst du in ein Modell ab 150 Euro mit guter Dämpfung und Schnellspannfutter, dann bekommst du mehr Lebensdauer und weniger Ausfälle.
Was ist besser: Kabelgebunden oder Akku?
Kabelgebundene Modelle haben immer volle Leistung - ideal für lange, anstrengende Jobs. Akku-Modelle sind flexibler, leichter und besser für kleinere Arbeiten oder wenn du keine Steckdose hast. Die Leistung von 18-Volt-Akkus ist heute fast so hoch wie bei kabelgebundenen Geräten. Wenn du nicht stundenlang bohrst, ist ein Akku-Modell die bessere Wahl - besonders, weil du es auch für andere Werkzeuge im gleichen System nutzen kannst.