Stell dir vor, du kommst abends nach Hause, und deine Wohnung ist genau so warm, wie du es magst - ohne dass du den Thermostat manuell anpassen musst. Gleichzeitig zahlt dein Mieteranteil am Heizkostenabrechnung 18 % weniger als letztes Jahr. Das ist kein Traum. Das ist heute möglich - mit einem Smart-Thermostat im Mehrfamilienhaus.
Was genau ist ein Smart-Thermostat und warum macht es Sinn im Mehrfamilienhaus?
Ein Smart-Thermostat ist ein intelligentes Gerät, das die Heizung in deiner Wohnung automatisch steuert. Im Gegensatz zu alten mechanischen Thermostaten, die nur auf eine feste Temperatur eingestellt werden, lernen moderne Geräte dein Verhalten. Sie merken, wann du zu Hause bist, wann du weg bist, und passen die Temperatur an - sogar basierend auf der Wettervorhersage. In Mehrfamilienhäusern, wo oft alte Heizungen und schlecht isolierte Wände die Energiekosten in die Höhe treiben, ist das eine der effektivsten Maßnahmen, die du als Mieter oder Eigentümer selbst umsetzen kannst.
Die Technik ist nicht neu, aber jetzt ist sie reif. Seit 2015 sind Smart-Thermostate in Deutschland breit verfügbar. Hersteller wie tado° ein deutsches Unternehmen, das intelligente Heizungsregelung mit Geofencing und Wetterdaten verbindet, Bosch Smart Home bietet Systeme mit guter Integration in bestehende Smart-Home-Ökosysteme und Homematic IP ein System, das ohne Cloud funktioniert und besonders datenschutzfreundlich ist liefern Geräte, die sich einfach an fast alle Heizkörper anschließen lassen. Laut einer Studie des BDEW aus 2023 nutzen bereits 28 % der deutschen Mehrfamilienhäuser mit fünf oder mehr Wohnungen solche Systeme - und der Anteil steigt jedes Jahr.
Heizkörperthermostat vs. Raumthermostat: Was passt zu dir?
Nicht alle Smart-Thermostate sind gleich. Es gibt zwei Haupttypen: Heizkörperthermostate und zentrale Raumthermostate. Beide haben Vor- und Nachteile - besonders in Mehrfamilienhäusern.
Heizkörperthermostate (z. B. tado° X, Hama Smart-Heizkörperthermostat) montierst du direkt an jedem Heizkörper. Sie messen die Temperatur direkt am Ventil und regulieren den Heizwasserfluss mit hoher Präzision - bis zu ±0,25 °C. Das ist besonders nützlich, wenn du verschiedene Räume unterschiedlich beheizen willst: Küche kühler, Wohnzimmer wärmer, Schlafzimmer abends runter. Die Installation dauert pro Gerät nur 15-20 Minuten. Die Kosten liegen zwischen 49 € und 89 € pro Thermostat. Für eine 6-Raum-Wohnung kommst du so auf 294-534 € Gesamtkosten.
Raumthermostate hingegen hängen an einer Wand in einem zentralen Raum - meist im Wohnzimmer - und messen dort die Lufttemperatur. Sie steuern dann den gesamten Heizkreis. Sie sind günstiger im Gesamtpaket: Eine Basisstation von Homematic IP kostet 229 €, dazu 49 € pro Thermostat. Aber: Sie funktionieren nur, wenn deine Heizung eine zentrale Ansteuerung zulässt. Und das ist bei älteren Heizkesseln vor 2005 oft nicht der Fall. Eine Umfrage des Deutschen Mieterbundes aus 2024 ergab: Nur 68 % der alten Heizungen haben die richtige Schnittstelle.
Und hier kommt ein entscheidender Punkt: In Mehrfamilienhäusern beeinflussen Nachbarn die Raumtemperatur. Wenn dein Nachbar oben heizt wie ein Ofen, dann wird dein Raumthermostat in der Wohnung unter ihm falsch messen - es denkt, es ist wärmer, als es wirklich ist. Heizkörperthermostate messen direkt am Heizkörper - sie ignorieren die Wärme aus der Nachbarwohnung. Das macht sie in Mehrfamilienhäusern oft effektiver.
Kosten, Einsparungen und Amortisation: Rechnet sich das?
Die große Frage: Lohnt sich das? Die Antwort ist ein klares Ja - wenn du es richtig machst.
Das Fraunhofer-Institut ISE hat in einer Studie aus 2022 nachgewiesen: Wer Smart-Thermostate korrekt einstellt, spart 14-22 % an Heizkosten. Die durchschnittliche Einsparung in der Praxis liegt bei 17,3 %, wie über 1.200 Nutzer auf Heizungsforum.de berichten. Das heißt: Wenn du 1.000 € im Jahr für Heizung zahlst, kannst du 170 € sparen.
Wie lange dauert es, bis sich die Investition rentiert? Bei einer 4-Raum-Wohnung mit 180 € Installationskosten und 15 % Einsparung liegt die Amortisationszeit bei durchschnittlich 2,8 Jahren. Das ist schneller als viele andere Modernisierungen - und du hast danach jahrelang weniger Kosten.
Ein Nutzer aus Graz schreibt im Heizungsforum: „Habe in meiner 75 m²-Mietwohnung sechs tado° X installiert. Nach vier Monaten: 19 % weniger Heizkosten. Die App-Einrichtung hat 45 Minuten gedauert.“ Kein Wunder, dass 78 % der Nutzer zufrieden sind.
Was du nicht vergessen darfst: Die Einsparung hängt davon ab, ob du die Geräte richtig einstellst. Wer den Thermostat ständig manuell auf 23 °C dreht, egal ob er zu Hause ist oder nicht, spart nichts. Die Automatik muss funktionieren.
Installation: Was du als Mieter wissen musst
Als Mieter darfst du Smart-Thermostate nachrüsten - das ist gesetzlich erlaubt. § 554 Abs. 1 BGB sagt klar: Du darfst Änderungen vornehmen, wenn sie rückbaubar sind und die Bausubstanz nicht beschädigen. Ein Smart-Thermostat wird einfach auf das Ventil gedreht - kein Bohren, kein Kleben, keine Leitungen. Es ist rückbaubar. Du kannst es bei Auszug wieder entfernen und das alte Thermostat wieder aufschrauben.
Aber: Du brauchst trotzdem die Zustimmung deines Vermieters. Ein Urteil des Landgerichts Berlin vom 15. Januar 2024 (Az. 15 S 45/23) klärt: Wer ohne Erlaubnis einbringt, riskiert eine Mietminderung von bis zu 10 %. Der Vermieter kann dich nicht davon abhalten - aber er kann dich bitten, vorher zu fragen. Hol dir die Einwilligung schriftlich. Ein einfaches E-Mail mit „Ich möchte Smart-Thermostate einbauen, da sie rückbaubar sind und Heizkosten senken“ reicht oft aus. Viele Vermieter sind froh, wenn du selbst die Energiekosten senkst - das entlastet sie auch.
Die Installation selbst ist kinderleicht. Du brauchst nur:
- Das alte Thermostat gegen den Uhrzeigersinn abdrehen (bei festen Modellen eine Rohrzange benutzen)
- Gegebenenfalls einen Adapter auf das Ventil schrauben (für historische Ventile aus den 70ern)
- Das neue Thermostat im Uhrzeigersinn festdrehen
Pro Heizkörper dauert das 12-18 Minuten. Die meisten Geräte verwenden 2x AAA-Batterien, die 18-24 Monate halten. Einige Modelle wie das tado° X haben eine WLAN-Reichweite von nur 15 Metern - in Betonbauten kann das schwach sein. Dann hilft ein WLAN-Repeater für knapp 30 €.
Was kann schiefgehen? Häufige Probleme und Lösungen
Nicht alles läuft immer glatt. Hier sind die drei häufigsten Probleme - und wie du sie vermeidest.
1. Alte Ventile passen nicht. 8 % der Wohnungen in Altbauten haben Ventile mit ungewöhnlichem Gewinde (z. B. M28 oder M26). 65 % der Smart-Thermostate passen dann nicht. Lösung: Kaufe ein Spezialadapter-Set von Heimeier (74,99 €) oder frage im Fachhandel nach. Ein Nutzer aus Leipzig schreibt: „Bei meinem Heizkörper aus den 70ern passte kein Adapter - musste 75 € für einen Sonderadapter zahlen.“
2. WLAN-Signal ist schwach. In Betonbauten mit dicken Wänden kann das Signal vom Thermostat zum Router nicht durchdringen. Lösung: Installiere einen WLAN-Repeater in der Nähe - am besten im Flur oder im Wohnzimmer. Die meisten Geräte zeigen dir im App-Setup an, ob das Signal stark genug ist.
3. Batterien halten nicht. Bei extrem kalten Temperaturen (unter -10 °C) verbrauchen einige Modelle die Batterien schneller. Lösung: Kaufe Lithium-Batterien (z. B. Energizer Ultimate Lithium) - sie funktionieren auch bei Kälte und halten länger. Die meisten Hersteller liefern nur Alkalibatterien mit - die sind günstiger, aber weniger robust.
Welches Gerät ist das Beste? Marktübersicht 2026
Der Markt ist voll. Hier sind die Top-3-Systeme, basierend auf Tests, Nutzerbewertungen und technischen Daten aus 2024.
| Modell | Preis pro Gerät | Reichweite | Stromversorgung | Einrichtungsdauer | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| tado° X | 89 € | 15 m (Bluetooth) | 2x AAA | 22 Min. | Geofencing (95 % Genauigkeit), Wetterintegration, Matter-Protokoll |
| Bosch Smart Home | 79 € | 30 m (Zigbee) | 2x AAA | 28 Min. | Integriert mit Alexa/Google, kein Gateway nötig ab 2024 |
| Homematic IP | 49 € | 50 m (Proprietär) | 2x AAA | 35 Min. | Lokale Steuerung, keine Cloud, Reaktionszeit 0,3 Sekunden |
| Hama Smart | 49 € | 10 m | 2x AAA | 30 Min. | Billigste Option, aber geringere Genauigkeit (92,3 %) |
tado° X ist der Marktführer mit 37 % Marktanteil - und hat die beste App. Bosch ist die beste Wahl, wenn du schon andere Smart-Home-Geräte hast. Homematic IP ist ideal, wenn du keine Internetverbindung oder Cloud-Daten riskieren willst. Hama ist günstig, aber weniger präzise - gut für Einsteiger, die nur einen Raum steuern wollen.
Die Zukunft: Was kommt 2027?
Die Technik entwickelt sich schnell. Seit Anfang 2024 unterstützen alle Premium-Geräte das Matter-Protokoll - das bedeutet: Sie funktionieren mit Apple Home, Google Home und Amazon Alexa, ohne dass du drei Apps brauchst.
Ab 2025 schreibt die EnEV-Novelle für Mehrfamilienhäuser mit mehr als 15 Wohnungen intelligente Heizungssteuerung vor. Das wird die Nachfrage weiter anheizen. Bis 2027 prognostiziert das Fraunhofer ISE einen Anteil von 65 % - fast zwei Drittel aller Häuser werden Smart-Thermostate haben.
Die nächste Stufe: KI. tado° arbeitet an einem System, das dein Heizverhalten automatisch lernt - ohne dass du Einstellungen vornehmen musst. Bosch plant, die Thermostate direkt mit dem Heizkessel zu verbinden - kein separates Gateway mehr nötig.
Eine Warnung bleibt: Nicht alle Geräte sind datenschutzkonform. Eine Studie der Universität Kassel aus Februar 2024 zeigte: 22 % der Smart-Thermostate senden Heizdaten an Dritte - ohne dass der Nutzer das weiß. Achte darauf, dass das Gerät DSGVO-konform ist und keine Daten an unbekannte Server sendet. Die Top-Marken tun das nicht.
Fazit: Ein kleiner Schritt, große Wirkung
Smart-Thermostate sind keine Wunderwaffe. Sie ersetzen keine Dämmung, kein neues Fenster. Aber sie sind die einfachste, billigste und schnellste Möglichkeit, Heizkosten in einem Mehrfamilienhaus zu senken - ohne Vermieter oder Baugenehmigung. Du brauchst keine handwerkliche Erfahrung, kein Bohren, keine Genehmigung - nur die Zustimmung deines Vermieters.
Wenn du 150 € im Jahr sparen kannst, und das Gerät in drei Jahren amortisiert ist - dann ist das eine Investition, die dir 10 Jahre lang Geld zurückgibt. Und du hast eine wärmere Wohnung, die sich automatisch an dich anpasst.
Die Technik ist da. Die Einsparungen sind real. Die Rechtslage ist klar. Alles, was du tun musst, ist: Einmal die App runterladen, die Thermostate bestellen - und loslegen.
Darf ich als Mieter Smart-Thermostate einbauen, ohne die Zustimmung des Vermieters?
Nein, du musst die Zustimmung deines Vermieters einholen. Obwohl Smart-Thermostate rückbaubar sind und nach § 554 BGB erlaubt sind, hat das Landgericht Berlin (Az. 15 S 45/23) entschieden, dass eine unerlaubte Nachrüstung eine Mietminderung von bis zu 10 % rechtfertigt. Hole dir schriftliche Einwilligung - ein einfaches E-Mail reicht oft.
Welche Smart-Thermostate funktionieren mit alten Heizkörpern aus den 1970er Jahren?
Nicht alle. 8 % der alten Ventile haben ein ungewöhnliches Gewinde (z. B. M28 statt M30x1,5). Die meisten Geräte passen - aber du brauchst dann einen Spezialadapter. Marken wie tado° und Bosch liefern keine Adapter mit. Kaufe ein Set von Heimeier (74,99 €) oder frage im Fachhandel nach. Prüfe vor dem Kauf, welches Gewinde dein Ventil hat - das findest du mit einem Maßband oder einem Gewinde-Messgerät.
Kann ich Smart-Thermostate bei Fußbodenheizung einbauen?
Technisch ja - aber sie bringen wenig Nutzen. Fußbodenheizungen reagieren sehr langsam - sie brauchen Stunden, um sich aufzuwärmen. Smart-Thermostate optimieren schnelle Reaktionen. Bei Fußbodenheizung reduziert sich die Effizienz um 30-40 %, wie im Heizungsforum dokumentiert. Hier ist ein zentrales Raumthermostat mit Zeitprogramm sinnvoller als ein Heizkörperthermostat.
Wie viel Strom verbrauchen Smart-Thermostate?
Fast gar keinen. Sie laufen mit Batterien - typisch 2x AAA - und verbrauchen weniger als 1 € Strom pro Jahr an Netzstrom, wenn sie mit WLAN verbunden sind. Die meisten Geräte sind batteriebetrieben und verbrauchen nur Mikrowatt. Der Stromverbrauch ist vernachlässigbar - die Einsparung bei Heizung ist das Wichtige.
Was ist der Unterschied zwischen tado° X und Homematic IP?
tado° X nutzt Bluetooth und Cloud - es lernt dein Verhalten, nutzt Wetterdaten und erkennt, ob du zu Hause bist (Geofencing). Es ist einfach zu bedienen, aber abhängig vom Internet. Homematic IP arbeitet lokal - alles passiert in deinem Haus, kein Datenverkehr nach außen. Es ist sicherer und schneller (0,3 Sekunden Reaktionszeit), aber komplexer einzurichten und weniger intelligent. Wähle tado°, wenn du Komfort willst. Wähle Homematic IP, wenn du Datenschutz priorisierst.